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Durcheinander

Sich lieben in einer Zeit in der Menschen einander töten mit immer besseren Waffen und einander verhungern lassen Und wissen dass man wenig dagegen tun kann und versuchen nicht stumpf zu werden Und doch sich lieben Sich lieben und einander verhungern lassen Sich lieben und wissen dass man wenig dagegen tun kann Sich lieben und versuchen nicht stumpf zu werden Sich lieben und mit der Zeit einander töten Und doch sich lieben mit immer besseren Waffen von Erich Fried

Buecher

24
Dez
2006

Frohe Weihnachten

Nach Tannennadeln duftet's Haus
und eiderdaus,
man glaubt es nicht,
fehlerfrei und ohne Stocken spricht
Kevin heute das Gedicht.

Die Narben der Pocken in seinem Gesicht
sind heute vergessen.
Im Kerzenlicht sitzt Opa, Papa, Mama und Gary,
der freundliche Herr vom oberen Stock.

Kevin, das hast du fein gemacht.
So schoen zum Vortrag das Gedicht gebracht!
Mama ist Stolz,
die Oma auch.
Sie sitzten vor der Krippe aus echtem Holz,
zufrieden im Raeucherstaebchenrauch.

Da denkt sich der Gary: "jetzt oder nie!",
der freundliche Herr vom oberen Stock,
und greift der Mama unter'n Rock.
So ein schoener Weihnachtstag!
Ob Mama des Herren Hand da mag?

Kevin muss lachen
Was macht der Nachbar da fuer Sachen?
Auch Oma glaubt es kaum.
Ehebruch unterm Weihnachtsbaum?
Und was macht die Mama da? Sie ist ja nackt!
Und waehrend Papa die Geschenke auspackt,
liegt sein Frau auf Gary drauf.

Sie stoehnt ganz laut und ruft ganz laut:
"Mach's mir Gary! Mach's mir schnell!"
Sie winden sich am Baerenfell.
Kevin muss weinen.
Er bewirft den Nachbar mit Dominosteinen.

Der Papa schluchtzt leise in sich rein.
Nein, Mama, so etwas muss doch nicht sein!
Doch Mama will's wissen. Sie ist ganz verschwitzt.
Und wie sie da so auf dem Nachbarn sitzt,
kommt sie mit Ihm, oh, ihr Kinderlein kommet!

So hat in dieser Weihnachtsnacht
der Gary der Mama ein Kind gemacht.

Christoph Grissemann
Dirk Stermann

"Willkommen in der Ohrfeigenanstalt"

Weihnachten in der Ohrfeigenanstalt

"Eigentlich", schmunzelt Dr. Kafelnikov, "sollte Mat-
thieu Carrière bei uns in der Ohrfeigenanstalt behandelt
werden, aber aus Versehen haben meine Mitarbeiter Al-
ber Fortell eingeliefert, und, unter uns gesagt, ist es doch
Jacke wie Hose, wer von den beiden eine geschmiert be-
kommt." Ja, es ist eine besondere Art, Weihnachten zu fei-
ern, hier, in der Ohrfeigenanstalt von Dr. Kafelnikov!

22
Dez
2006

Keine Tiere muessen nicht Menschen sein!

K.T.m.n.M.s., man denke nur an Telefone oder Tanz.
Man kann ein Jahr nicht kuerzer machen, nur Hosen. Der
Fuchs Ernst Maler war deshalb oft verzweifelt und kauer-
te an irgendeinem Kaugummi in irgendeiner Akademie-
galeriebrummi; ansonsten war alles wie immer. Sein Pin-
sel stand gen Norden, genau auf junge Eskimomaedchen.
Im Fernsehen lief "Einsatz in Manhatten". "Nur ein Satz?
Sicher so ein Kunstfilm!" dachte Fuchs und schob eine Vi-
deokassette rein: Wim Wenders, Praedikat besonders wert-
voll. Der Film war aus Gold! Fuchs liebte diesen Film, er-
innerte ihn doch der Hauptdarsteller stark an Bruno
Ganz, was Wunder, war's doch Bruno Ganz! Und da schoss
es Ernst Fuchs in den Kopf; es war einer dieser gefaehrli-
chen interaktiven Krimis. Bruno Ganz erschoss ernst Fuchs aus dem Fernsehen heraus. Aus Rache, hatte doch
Ernst Fuchs 1972 die Gattin des Schauspielers Bruno
Ganz, Gattin Ganz, entfuehrt und sie bis heute nicht zu-
rueck gebracht. Obwohl Ganz immer wieder flehte: "Gib sie
wieder her!" Er aber gab sie eben nicht her. Nur einmal,
1978, waere der Maler Ernst Fuchs bereit gewesen, Bruno
Ganz seine Gattin zurueckzugeben, aber da meinte Ganz
aus Versehen: "Scheiss drauf!" 1986 wollte er sie wieder,
aber da wollte Fuchs nicht mehr. Gattin Ganz schien aus
dem Spiel voellig raus zu sein, sie wurde gar nicht mehr ge-
fragt, sondern sass seit vierzehn Jahren eng zusammenge-
schnuert mit einem Apfel im Mund in einem feuchten Kel-
ler. Vor zwei Jahren erkundigte sich Fuchs hoeflich bei
Ganz, ob es sich tatsaechlich noch immer um den gleichen
Apfel handle, der da seit einundzwanzig Jahren im Mund
seiner Gattin stecke. Das sei ja interessant, , ein Apfel, 21
Jahre alt! An seiner Frau habe er jegliches Interesse ver-
loren, aber der Apfel, den haett er gern gehabt, wenn geht.


Christoph Grissemann
Dirk Stermann

"IMMER
NIE
AM
MEER"

20
Dez
2006

Jerry und Molly und Sam

"Es wird alles wieder gut. Ich verspreche es dir", sagte er.
"Mach dir keine Sorgen", sagte er. Ich verspreche dir, alles
wird wieder gut. Ich such den Hund, und dann wird alles
wieder gut", sagte er.
Er stuermte aus dem Haus, duckte sich hinter den Bueschen,
als er siene Kinder kommen hoerte. Das Maedchen weinte
und rief "Suzy, Suzy"; der Junge sagte, vielleicht sei sie von
einem Zug ueberfahren worden. Als sie am Haus waren, lief
er zum Auto.
Er regte sich an jeder Ampel auf, an der er warten musste,
und ihn erbitterte die Zeit, die er verlor, als er zum Tanken
anhielt. Die Sonne stand tief und gross und unmittelbar ueber der
Kette gedrungener Huegel am Ende des Tals. Im
guenstigsten Fall blieb ihm noch eine Stunde Tageslicht.
Er sah sien ganzes Leben von hier an als Scherbenhaufen
vor sich. Selbst wenn er noch wieter fuenfzig Jahre lebte,
was kaum anzunehmen war - er wusste, er wuerde nie dar-
ueber hinwegkommen , dass er den Hund ausgesetzt hatte. Er wusste, dass er erledigt war, falls er den Hund nicht fand.
Ein Mann der einen kleinen Hund verstiess, war einen Dreck
wert. So ein Mann war zu allem faehig, wuerde vor nichts
haltmachen.
Er kruemmte sich auf seinem Sitz, er starrte in das geschwol-
lene Gesicht der langsam tiefer ind den Huegeln versinkenden Sonne. Er wusste das er das rechte Mass fuer die Situation verloren hatte, aber er konnte nichts daran aendern. Er
wusste, dass er den Hund irgendwie wieder herbeischaffen
musste, so wie er am Abend zuvor gewusst hatte, dass er ihn
loswerden musste.
"Derjenige, der hier verrueckt wird, bin ich", sagte er, und dann nickte er zur Bekraeftigung.

(Ramond Carver - Wuerdest du bitte endlich still sein, bitte)

30
Apr
2006

Das grosse Sagenbuch des klassischen Altertums

Das grosse Sagenbuch des klassischen Altertums hat mich stellenweise gequaelt. Also eigenlich gar nicht die Sagen sondern die Art und Weise wie Herr Koehlmeier einem sein ausgepraegtes Fachwissen naeher bring. War zum Teil nur schwer zu ertragen. Denn der "leichte Ton" (klappentext) in dem der "ausgezeichnete Erzaehler" von Oedipus, Zeus, Hera und Mitgoettern erzaehlt ist Stellenweise so selbstverliebt, ueberheblich und persoenlich das mir dabei die Sache fast vergangen waere. Ich war begeistert von den Erzaehlungen auf Oe1 auf die ich vor vielen Jahren mehr durch Zufall gestossen bin, das Buch aber war schwach. Nichts desto trotz hab ich viel neues erfahren und die kurzen Agressionen die entstanden, beim lesen von voellig unnoetigen persoenlichen Anschauungen, gingen auch vorbei. Ich mag ja Experten nur sollte die Expertise moeglichst objektiv sein.

5
Apr
2006

Sein groesster Erfolg

Als er da so 75jaehrig lag auf dieser jungen Frau, die viel zu jung war, um seine Urenkelin zu sein, und sie zu seinem langweiligen Genital murmelte:"Na du alter Sack", da packte ihn die Wut auf seine jahrelange falsche Ernaehrung. Hatter er sich doch in den letzten 4 Jahrzehnten ausschliesslich von Presswurts ernaehrt. Ausschliesslich. Immer Presswurst. Das hatte ihn muede gemacht. Zu sagen er waere Impotent, das waere ein masslose Uebertreibung seiner sexuellen Faehigkeiten gewesen. Er war so matt, das seine Putzfrau in der Freuh nicht nur die Betten aufschlagen musste, sondern auch seine Augen.Seine groessten Erfolge im Leben waren schnell aufgezaehlt: Einmal hatte er aus versehen eine Ameise zertreten, ein anderes mal hatt er einen Teller Cornflakes ganz aufgegessen. Aus, das waren sie: Ameise zertreten und Teller Cornflakes aufgegessen. Meine Herren, war der Mann unzufrieden mit sich. Er schob alles auf die schlechte Ernaehrung. Klar, es ist so einfach, ein verhunztes Leben einfach auf ein Stueck Wurst zu schieben. Mensch, Junge, krempel die Aermel hoch, mach noch was aus deinem Leben, es ist nie zu spaet. Man ist so alt, wie man sich fuehlt, du bist jung im Kopf, leb dein Leben!
Das alles schoss ihm durch den Kopf, als er da auf dieser kleinen Frau lag. Er oeffnete dden Mund und verschlang eine grosse Wurst. "Das waehre doch gelacht", sagte er auf die Frage des Jungen Maedchens: "Willst du nicht auch wiedereinmal lachen?"
So war er. Nicht mehr, aber auch kein Stueckchen weniger.

aus:

"IMMER NIE AM MEER"
Christoph Grissemann, Dirk Stermann
edition selene

26
Mrz
2006

Porno



von Irvine Welsh

Das ich das erste Mal Welsh gelesen hab war mehr als 10 her also konnte ich mich vom Stil her an wenig erinnern. Sein erstes Werk das ich in die Finger bekam war Ecstasy und woran ich mich noch erinnern kann war das es mich sehr beeindruckt hat. Ich war das erste Konfrontatioun mit Gewalt in einem Buch die sich Menschen gegenseitig antun. Davor gabs nur ein paar Tote in diversen Steven Kings und aehnlichem aber nichts das, so wie bei Welsh, so wirkte als waere es aus dem Leben gegriffen. Einem beschissenen Leben zwar aber einem echten. Bei Ecstasy war ich ca. 16, heute bzw vor einem Jahr (als ich das Buch gelesen hab) mit 27 hatte ich ein paar bedruckte Seiten Erfahrung mehr. Gefesselt hat er mich trotzdem wieder. Nicht wie damals mit Gewalt sondern erstens mit dem Stil zu schreiben wie in England gesprochen wird (ich hab Ecstasy auf deutsch gelesen, Porno im Original) zweitens dem Gefuehl auf bekanntem Terrain zu wandern und alte Bekannte zu treffen (die Charaktere kennt man aus Trainspotting) und drittens war ich zumindest die Haelfte des Buches lang nicht in der Lage abzuschaetzen was ich von Sickboy halten soll. Und ich habe es genosse meine Vorurteile am Schluss bestaetigt gefunden zu haben. So tickt der Mensch, so ist das nunmal. Macht aber nix man darf ja auch manchmal ein Arschloch sein und es auch geniessen. Trainspotting habe ich an Ecstasy angehengt und damals leider schon davor den Film gesehen. Und konnte Ewan McGregor nicht mehr loswerden. Auch die anderen Darsteller nicht was aber in diesem Fall gar nicht so sehr gestoert hat da ja mit Nicky und aehnlichen neue Personen eingefuehrt werden und die Phantasie dann da wieder freien Lauf hat. Und hier und da muss man sie ja dann doch aeusserln fuehren, von selbst rennt die nicht um denn Block. Fands ganz nebenbei uebrigens sehr lustig den Darsteller des "Spud" (Ewen Bremner) bei Woody Allen als Polizisten der Mordkommision wiederzuerkennen. Im Kino hats noch jemand gecheckt und hat auch laut gelacht. (War seltsam in einem Kinosaal nur 2 Menschen lachen zu hoeren bei einer unlustigen Scene!)

Also: Porno ist schmutzig, Porno ist verachtenswert, Porno ist erregend und sorgt fuer die andere Art der Aufregung! Und (um Welsh zu zitieren): its very confusing, in one moment it feels great ant the other moment its the worst thing an earth. (Und:Ja es geht dabei um Analverkehr und Ja: ich bin nicht sicher ob das Zitat original 1:1 ist.)

25
Mrz
2006

Das ewige Leben



von Wolf Haas

Die Heimat! Von der liest man ja besonders gern wenn amn nicht in Ihr verweilt. So auch ich in diesem Fall.
Jetzt fehlt nur noch "Auferstehung der Toten" dann hab ich alle Brenner Romane durch. Also doch Krimi. Werden ja immer mehr wie z.B.: hier. ueber diesen bleibt nicht viel zu sagen schreiben. Handwerklich wieder mal perfekt, Phasenweise etwas verwirrend, mehr als die anderen davor, aber in gleichem Maße Ruhig Entspannend wie Dynamisch Erheiternd. Und stoellnweis holt a wued schiarch. "Des Wul" haett ein ObersteirischeR KollegeIn jetzt gesagt. Hatte Ihn in knapp 3 Stunden durch und war dann traurig weil schon vorbei und weil, wie ich annehme, letzter Brenner eben. Ein bisschen wie geschlechtsverkehr. Und das ist ja mit den KrimiAutoren und den Hauptrollen ja oft auch ein bisserl so das man sich an die gewoehnt. Und dann will man die halt immer wieder. Und jetzt hat der Haas, der sich da ja sicher auch was dabei denkt, das is naemlich ja bei den Autoren nicht immer so der Fall, der Serie ein Ende gesetzt. Und Recht hat er. Denn wie das ja bei den guten alten Puch Maxis auch schon so war das naemlich wenn der Murl ned mehr rennt man halt noch ein bisschen tretten hat koenne aber wenn dann noch eine Riegel dazugekommen is wars halt dann doch vorbei. Wenns der erste Haas Kontakt is vielleicht doch zu einem anderen greifen, ich empfehle Silentium. Aber dann ... kaufen lesen, naechstes .... usw usw

Dorfpunks



von Rocko Schamoni

Wusst gar nicht das der auch Romane schreibt! Hab ja schon von Salon Helga ein bisschen was von ihm gekannt und fand ihn lustig. Und dann also Dorfpunks. Bin darueber gestolpert in einer Buchhandlung in Braunau (Geschichtstraechtiger Ort) auf der Suche nach einem Spanischkurs und hab dann auch noch "Die Klassischen Sagen des Altertums" von Koehlmeier mitgenommen. Aber dazu spaeter. Der erste Teil des Buches liest sich phantastisch, ist Energiegeladen und fein durchsetzt mit den Essenzen eines guten Punkrocksongs. Ein bisschen Rebellion, ein bisschen Frust, Spass, einer beschissenen Situation und ... weiss nicht da fehlen mir jetzt Worte. Wie auch immer (ja, ok, ich bin schon lange infiziert), ich Teile das Buch in drei Teile und nenne sie: Kindheit, Jugend und die Schwelle. Ich mag seine Art zu schreiben, hatte nur Probleme wenns anfing an Eingemachte zu gehen. Da trifft er dann die Akkorde nicht mehr so automatisch wie zuvor. Ein wenig aufgesetzt und die Problematik immer wieder replizierend.

Das Buch ist trotzdem ein guter Zeitvertreib und auch nichtpunks werden einige Zuege entdecken die moeglichkeiten zu wiedereerkennung bieten. Und zumindest die ersten 2 drittel eben: scheiss drauf, hau drauf, tut zwar weh aber is mords Spassssss

9
Mrz
2006

wie wir heute sterben


von Charles Willeford

Mal was anderes. Ich hab ja erst vor 2002 begonnen Krimis zu lesen, abgesehen von einem Agatha Christie mit zarten 16, und seit dem eigentlich nur Friedrich Ani. German Angst hat mich so gefesselt das ichs in einem durch gelesen (488 Seiten) und auf den letzten Seiten einen ploetzlichen Heulkrampf gekriegt hab. Seit dem immer wieder Ani. War ja lustiger- und unwissenderweise als ich German Angst gekauft hab in Anis Wohnort abeiten, hab ihn aber leider nicht angetroffen. Und jetzt also Willeford. Hat sich erstens mal sehr fluessig gelesen, obwohl mich die genauen Beschreibungen der Speisen die Er zusich nimmt anfangs etwas verwirrt haben, und zweitens gefiel mir der "harte" Stil in dem er schreibt. Die im Epilog erwaehnte "badguy" Attituede (die Aerzte lassen Gruessen) hab ich zwar nicht so stark empfunden, eher frustrieter Vierziger, war aber erfrischend neu. Letzten Winter in Kashmir hab ich mir "Porno" von Welsh einverleibt in dem der Hauptdarsteller ja auch nicht gerade nett ist aber dort eben wirklich ein Arschloch. (da fehlt auch noch eine Rezension). Sehr gut gefallen hat mir, das die Handlung erst dahinduempelt und dann ploetzlich in Angst, Gewalt und Chaos stuertz. Kann "wie wir heute sterben" auf jeden Fall empfehlen fuer Leser die oben bereits erwaehnten "harten, direkten" Stil moegen.
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